Mittsommer zu feiern ist in Finnland eine große Sache – tatsächlich ist es nach Weihnachten das zweitwichtigste Fest des Jahres. Die Hauptfeierlichkeiten finden am Mittsommerabend statt, immer an einem Freitag. Der darauffolgende Mittsommertag ist bei vielen traditionell dafür reserviert, den Kopf vom Vorabend wieder klarzubekommen …
Die Mittsommertage liegen zwischen dem 19. und 26. Juni. In dieser Zeit erlebt Finnland seine längsten Tageslichtstunden des Jahres – und im hohen Norden geht die Sonne überhaupt nicht mehr unter. Diese hellen Nächte bringen eine besondere Stimmung mit sich: ein Gefühl von Leichtigkeit, Naturverbundenheit und ein Hauch Magie, der sich durch das ganze Land zieht.
Rund um Mittsommer existieren zahlreiche Bräuche und Legenden. Einer der bekanntesten: Wenn du sieben verschiedene Blumen pflückst und sie schweigend unter dein Kopfkissen legst, soll dir dein zukünftiger Liebling im Traum erscheinen. Wichtig ist die Stille – jedes gesprochene Wort bricht den Zauber.
Eine andere Tradition besagt, dass man vor dem Schlafengehen sieben Salzheringe essen soll, ohne dabei zu trinken. In der Nacht bringt dir dann – zumindest laut Überlieferung – deine wahre Liebe ein Glas Wasser im Traum. Wer besonders mutig ist, versucht sein Glück, indem er sich nackt über einen Brunnen beugt: Im Wasser soll sich das Gesicht der zukünftigen großen Liebe zeigen.
Viele Finnen verlassen zum Mittsommer die Städte und fahren in ihre Sommerhäuser, meist idyllisch am See, am Meer oder tief im Wald gelegen. Dort wird mit Freundinnen, Freunden und Familie gefeiert – mit gutem Essen, erfrischenden Getränken und natürlich ausgedehnten Saunagängen. Die Tische sind reich gedeckt: frisch gekochte neue Kartoffeln, kalt- und warmgeräucherter Fisch, verschiedene Heringssorten, Sommersalate und Gegrilltes. Als Dessert kommt traditionell ein Erdbeerkuchen auf den Tisch – passend zur Saison der ersten finnischen Erdbeeren.
Nach dem Essen folgt oft eine Partie Mölkky, dem beliebten Wurfspiel mit nummerierten Holzklötzen. Danach geht es meist für Stunden in die Sauna und ins Wasser. Zur Vorbereitung werden Birkenzweige zu einem Saunaquast gebunden. Mit diesem „Besen“ schlägt man sich selbst – oder die Person neben sich – sanft auf die Haut. Das fördert die Durchblutung, duftet herrlich nach frischem Grün und gehört untrennbar zur finnischen Saunakultur.
Wer sich traut, nimmt zwischen den Saunagängen ein erfrischendes Bad im kühlen Wasser – oft nackt, denn so fühlt sich mittsommerliche Freiheit am schönsten an.
Ich wünsche dir einen unbeschwerten, magischen Mittsommer – voller Licht, guter Gesellschaft und kleinen Momenten, die lange im Herzen bleiben.



